Hochsensibilität bei Müttern - Gabe oder Belastung?

Ich freue mich, dieses Interview mit einer hochsensiblen Mutter führen zu dürfen.

Wenn du weitere Fragen an sie hast, dann melde dich gern bei mir oder buche einen Termin hier.

 

Herzlich Willkommen zu diesem Interview, liebe hochsensible Mama. Wie fühlst du dich heute?

Ach, danke, mir geht es eigentlich sehr gut. Ich habe mir heute schon Ruhe gegönnt, dann bin ich immer sehr entspannt.

 

Ist das besonders wichtig für dich, RUHE?

Oh ja, dadurch, dass wir morgens mit den Kindern schon Stress haben, zur Kita müssen, und viele Dinge auf mich einströmen, wie Lärm, Gerüche, Gefühle von anderen, kann ich um 9 Uhr morgens schon erschöpft sein.

Da ich mich jedoch gut kenne, versuche ich möglichst gegen Erschöpfung gegenzusteuern, indem ich mir Auszeiten in den Alltag einbaue.

 

Wie sieht denn dein üblicher Alltag aus?

Wie gesagt, die Kinder bringe ich morgens zur Kita, mein Mann übernimmt das zeitweise auch, danach fahre ich meistens zurück nach Hause, weil ich selbstständig bin und von zuhause arbeite.

Ich genieße dann erstmal die Ruhe, fahre runter und setze mich an den Schreibtisch.

Die Arbeit ist perfekt für mich, da ich mich hier auf das konzentrieren kann, was ich wirklich kann und was mir gutttut.

Mich nervt keiner, ich kann Pausen machen wie ich will, diese absolute Ruhe im Raum gibt mir neue Kraft.

 

Käme eine Festanstellung für dich überhaupt in Frage?

Nicht mehr. Früher war ich fest angestellt und saß fast immer in Großraumbüros. Horror für Hochsensible. Ich habe versucht, mich mit Kopfhörern abzuschirmen, aber die Stimmungen und Gefühlswelten der anderen habe ich dennoch gespürt. Was in Unternehmen teilweise abgehen kann, ist wirklich unmenschlich. Und ich spüre das eben sehr stark.

Unstimmigkeiten in Teams bis hin zu Mobbing, Übertragungen von privatem auf Mitarbeiter...

Für mich war der Schritt in die Selbstständigkeit echt eine Erlösung.

 

Empfindest du deine Hochsensibilität als Belastung?

Ich sehe meine Hochsensibilität als etwas Besonderes. Eher eine Gabe. Ich kann etwas, was 80% der anderen Menschen NICHT können. Und das nutze ich sogar in meinem Beruf.

Aber natürlich gibt es Momente, in denen mir die Hochsensibilität ein Schnippchen schlägt.

Das sind Momente, meistens abends, wenn die Kinder müde sind, vielleicht noch hungrig, mein Mann gestresst nach Hause kommt, ich zu viele Reize um mich herum habe, dann kann ich auch mal explodieren.

Und das empfinde ich dann als unangenehm. Vor allem vor den Kindern.

 

Was sagt dein Mann dazu?

Er kann meine Reaktion manchmal nicht nachvollziehen. Es ist generell schwer für Nicht-Hochsensible, zu verstehen, wie sich ein Hochsensibler Mensch fühlt und was in ihm vorgeht. Er zeigt bestmöglich Verständnis und das ist auch ok für mich.

 

Haben deine Kinder die Hochsensibilität geerbt?

Das kann ich noch nicht beantworten. Kinder sind in meinen Augen sehr sensibel. Von Anfang an. Und mit der Zeit entwickelt sich diese in irgendeine Richtung. Ich kann mir aber schon vorstellen, dass eine der beiden hochsensibel ist und werde natürlich dann unterstützen, wo ich nur kann.

 

Wie bist du darauf gekommen, dass du hochsensibel bist?

Eigentlich erst vor ein paar Monaten. Es gibt diverse Lieratur und Tests im Internet und einige meiner Kollegen haben mir die Augen geöffnet.

Ich wusste allerdings schon immer, dass ich irgendwie anders bin. Als Kind war ich die Heulsuse. Ich fühlte, dass ich irgendwie anders bin als andere Kinder, konnte es aber nicht verstehen.

In meiner Jugend habe ich mich viel in mein Zimmer zurückgezogen. Nicht weil ich depressiv war, sondern einfach diese Erholung allein brauchte. Alleinsein fand ich schon immer angenehm. Damals hatten wir noch einen Hund, der mir oft half, mit meinen Gefühlen klar zu kommen. Ich denke sowieso, dass ich auch Tiere intensiver spüren kann als andere.

Für Hochsensible können Hunde und Katzen sehr heilsam sein.

Eine Zeit lang habe ich viel gearbeitet, geraucht und oft gefeiert. Zu der Zeit habe ich mich wohl eher betäubt, um die Hochsensibilität nicht zu spüren.

Als ich meinen Man kennenlernte, entdeckte ich eine große Empathie, die ich von mir noch nicht kannte.

 

Und als ich dann Mutter wurde, ging es so richtig ab. Ich spürte alles, total stark. Ich dachte, ich bin nicht mehr normal und musste mich wirklich immer wieder neu finden und akzeptieren. Ich glaube für viele meiner Mitmenschen war es erschreckend, dass ich nicht in das übliche Mama-Konzept passte. Ich wusste ja selbst nicht, wer ich eigentlich bin. Stress wie Kita-Eingewöhnung, Rückkehr in den alten Job, neue Alltagserfahrungen, Umzug ... war für mich manchmal echt Horror.

Dazu kam, dass ich keine Erholungszeiten mehr hatte. Der fehlende Schlaf ist für Hochsensible extrem schlimm. Auch das nicht mehr allein sein, weil das Baby ständig an dir dran hängt. Es ist natürlich auch wunderschön, keine Frage. Aber auf Dauer wirklich Kräftezehrend. Für jede Mutter.

 

Erst durch mein Studium als Coach und meine Selbsterfahrung im praktischen Teil wurde mir wirklich bewusst, dass ich hochsensibel bin. Und seitdem fällt mir vieles auch leichter.

 

Was würdest du anderen hochsensiblen Müttern raten, oder Müttern, die glauben, anders zu sein?

Zunächst einmal, nicht panisch werden, sondern offen sein, für sich. Informiere dich über Hochsensibilität, mache einen Test, finde heraus, ob du dich bei Hochsensibilität angesprochen fühlst.

Akzeptiere das Ergebnis und nutze die Vorteile.

Es ist nicht immer leicht, mit Menschen darüber zu reden, also taste dich heran. Wenn dir jemand sagt, dass er dir nicht glaubt, dann sage dir: "Dieser Mensch ist noch nicht so weit, das zu verstehen." Atme tief durch und bleibe dann einfach bei dir.

Such' dir Gleichgesinnte, in Foren, in sozialen Netzwerken, sprich mit ihnen.

Baue in deinen Alltag Ruhezeiten ein, um Kraft zu tanken.

Und nutze deine Möglichkeit, um die Bedürfnisse deiner Kinder zu spüren und gehe auf ihre Gefühle ein. Zu spüren, dass du etwas besser kannst als andere, macht stark. Lobe dich selber dafür.


Vielleicht hast du es bemerkt?

Ich habe mich selbst interviewt. Ja, richtig, ich bin Hochsensibel!

 

Wenn ich dir helfen kann, dann melde dich bei mir.

 

Wir können herausfinden, ob du hochsensibel bist und wie du dein Leben so gestalten kannst, dass du deine Gabe einsetzt und nicht als Belastung empfindest. Wir finden Bereiche deines Lebens, die dich stärken und Bereiche, die du ändern möchtest. Bei mir wirst du aufgefangen und nicht bewertet.

 

Ich freue mich auf dich!

Carola


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